Der unter Druck stehende Cheftrainer Michael Carrick ist in Carrington eingetroffen, nachdem Manchester-United-Geschäftsführer Omar Berrada und Sportdirektor Jason Wilcox über seine Zukunft gesprochen haben.
Der beliebte ehemalige Mittelfeldspieler der Red Devils hat das Schiff nach der holprigen Amtszeit von Ruben Amorim nicht nur stabilisiert, sondern auch auf Kurs gebracht. Seit seinem Amtsantritt im Jänner stieg die Mannschaft auf Rang drei der Premier League.
Gespräche nach der Niederlage
Carrick hatte erst vor fünf Monaten einen Zweijahresvertrag als United-Trainer erhalten. Nach der 3:0-Heimniederlage gegen Bournemouth am Sonntag droht ihm nun die Entlassung.
Nach dem Spiel begannen Gespräche über die Trainersituation, die am Montagvormittag fortgesetzt wurden, als Berrada und Wilcox im Carrington-Trainingszentrum eintrafen. Dies berichtet die Press Association.
Carrick erreichte das Trainingsgelände kurz vor 14 Uhr, als die United-U21 im Ausschluss der Öffentlichkeit ein Freundschaftsspiel gegen Hull bestritt. Hull war jene Mannschaft, die United einen Fehlstart in die Premier-League-Saison bescherte.
Quellen zufolge gelten Eddie Howe und Julian Nagelsmann als mögliche Nachfolger Carricks.
Sportliche Talfahrt
Carricks Team wartet seit acht Spielen auf einen Sieg. Der Bournemouth-Niederlage waren eine 4:1-Niederlage in der Champions League bei Como und weitere Enttäuschungen vorausgegangen.
United hat in allen Wettbewerben nur zwei von zwölf Partien in dieser Saison gewonnen. Die Ausbeute von sieben Punkten aus acht Ligaspielen ist der schlechteste Saisonstart seit 1986.
Derzeit liegt das Team mit nur einem Punkt Vorsprung auf die Abstiegszone auf dem 16. Platz. Vor der Länderspielpause warten am Samstag die Auswärtspartie bei Chelsea sowie Heimspiele gegen Roma und Aston Villa.
Stimmung im Old Trafford
Carrick wich nach dem Spiel gegen Bournemouth Fragen zu seiner Zukunft aus. Beim Verlassen des Platzes winkte er den Fans zu und klopfte sich auf die Brust, während die Anhänger seinen Namen skandierten. Es wirkte, als wüsste er, dass seine Zeit wohl abgelaufen ist.
Der Zorn der Fans richtete sich hingegen gegen die Glazers, Mitbesitzer Sir Jim Ratcliffe und das Ineos-Konstrukt, zu dem auch Sportdirektor Wilcox gehört.
Nach dem Schlusspfiff wurden die Spieler ausgepfiffen, und die Pfiffe wurden noch lauter, als sie Carrick in die Kabine folgten. An diesem Tag hatte der Trainer Kapitän Bruno Fernandes auf die Bank gesetzt.
Fernandes im Fokus
Der 32-Jährige kann nicht an die Form anknüpfen, die ihm die Auszeichnungen der Professional Footballers’ Association und der Football Writers’ Association in der vergangenen Saison einbrachten. Der frustrierte Kapitän hatte nach der Niederlage in Como die Taktik des Trainers infrage gestellt.
Carrick bezeichnete die Entscheidung, Fernandes nicht spielen zu lassen, vor dem Match als reine Fußball-Entscheidung und nicht als Strafe. Dennoch verzichtete er darauf, Fernandes eine Einsatzminute zu geben.
Fernandes war am Montag, einem trainingsfreien Tag für die Spieler, ebenfalls in Carrington. Dort erhielt er offenbar eine vorab geplante Behandlung.
Die auffälligen Aussagen des Kapitäns in Italien kamen eine Woche, nachdem Lisandro Martínez nach scharfer Kritik am Vereinsvorstand im Anschluss an die Niederlage bei Atlético Madrid mit einer Geldstrafe belegt und zu Gesprächen gebeten worden war.